Vor der Anschaffung eines Haustieres sollten sie sich genau über die Unterhaltskosten und die Nachfolgekosten informieren. Die Nachfolgekosten sind Kosten, die von den meisten Tierfreunden vergessen werden.
Überlegen Sie vorher sehr genau, ob Haus und Grundstück für die Haltung eines Haustieres geeignet sind und ob Ihr Einkommen hoch genug ist, eins oder mehrere Haustiere zu bezahlen. Denn Haustiere bekommen Junge, aber der Staat zahlt für die lieben Kleinen kein Kindergeld.
Wenn Sie die Anschaffung eines Haustieres nicht ganz genau planen, geht es Ihnen wie uns: kaum sind die Tiere einem lieb geworden und man will sich nie wieder von ihnen trennen, fressen sie einem buchstäblich die Haare vom Kopf.
Im Frühjahr mussten wir einen zweiten Swimmingpool anlegen. Ernie und Bert waren einfach zu gross geworden und wir mussten die beiden Racker von August, Anton, Antonia und Auguste trennen.
Jetzt haben wir einen glühend heißen Sommer und da sind sie schon, die nächsten Unkosten und die Männer vom Kundendienst. Augenblick, ich bin gleich zurück und erzähle Ihnen die Story weiter.
„Stellen Sie den Gefrierschrank bitte neben den kleinen Swimmingpool, der ist direkt vor der Veranda.“
Gleich habe ich wieder Zeit für Sie, da kommen die Männer vom Kundendienst schon zurück. Ooh, sie hatten einen Arbeitsunfall.
„Die Biester haben uns gebissen!“ „August, Anton, Antonia und Auguste beißen niemals! Ich habe doch gesagt, der Gefrierschrank gehört an den Swimmingpool vor der Terrasse. Haben Sie den etwa an dem Swimmingpool neben dem Gartenhaus abgestellt?“
Gestern stellten wir fest, dass wir die Bodenfliesen in den Erdgeschossräumen erneuern, die Decke zwischen Erdgeschoss und Keller sanieren und die Treppe renovieren müssen. „Tim und Tom werden in Zukunft im Keller untergebracht und schlafen“, sagte ich zu meiner Frau. Sie war sofort sauer und meinte „Tim und Tom haben sich so ans gemeinsame abendliche fernsehen und Pokern gewöhnt, das können wir ihnen nicht antun!“ „Tut mir leid!“ erhob ich Einspruch, „Tim und Tom ruinieren das Treppenhaus und den Fussboden. Wir haben kein Geld, das jedes Jahr zu sanieren.“
„Im Keller ist kein Platz“, widersprach meine Frau, „da ist doch Getrude untergebracht.“ „Wir räumen die Waschküche aus und stellen die Waschmaschine und den Trockner wieder ins Bad. Wenn Tim und Tom im Keller wohnen und das Bad nicht mehr benutzen, ist wieder Platz für die Waschmaschine und den Wäschetrockner. Das Bad müssen wir übrigens auch komplett renovieren. Tim und Tom haben zu oft geduscht.“
Gertrude ist auch so ein Fall, bei dem wir die Nachfolgekosten nicht berücksichtigten. Sie war ja noch so klein, als sie zu uns kam. Dann wuchs sie, wir mussten sie im Keller unterbringen. Ein Glück, dass wir im Haus noch Hausbrandfeuerung und einen Kamin hatten. Der Umbau war sehr billig, abgesehen von den notwendigen Dacharbeiten, als Getrude ausgewachsen war.
Augenblick mal, da kommt gerade der Nachbar und will etwas von mir. „Tach Herr Meier, was haben Sie da!“ „Das sehen Sie doch! Ein totes Kaninchen. Wir haben es im Käfig auf die Wiese gesetzt und nun sehen Sie sich das an! Das können nur Ihre Bestien gewesen sein!“ „Bestimmt nicht! Jim, Johnny und Jonas stempeln immer ihre Karte in der Stempeluhr ab, wenn sie ausgehen. Schauen Sie mal hier, die Stempelkarte – letzter Ausgang vorgestern und Ihr Karnickel ist noch warm. Übrigens werden die von einem Kaninchen nicht satt. Sowas rühren die nicht mal an.“
So, nun ist er wieder weg, der Herr Meier, und ich kann Ihnen den Rest erzählen. Vergessen Sie niemals, dass Ihre Nachbarn manche Tiere nicht leiden können. Dieser Meier ist auch so ein Querulant. Vor drei Jahren hat er so lange Ärger gemacht, bis wir den Zaun und Wassergraben ums Haus bauten und für Jim, Johnny und Jonas die Stempeluhr einführten, die sie benutzen, wenn sie Gassi gehen.
Was sagten Sie gerade? Es würde seltsam riechen? Ach das ist nur Otto. Otto ist ein sehr nützliches Haustier. Wir nehmen ihn immer mit, wenn wir mit dem Bus und der Straßenbahn fahren, die sind so oft überfüllt und in Ottos Begleitung bekommen wir sofort freie Sitzplätze. Otto und Ottilie haben gerade Nachwuchs bekommen. Möchten Sie vielleicht eins von den Jungen haben? In überfüllten Kinos sind sie auch sehr wirksam.
Haustiere sind eine Freude aller Tierfreunde! Ärger hat man nur, wenn sie ausbüchsen. So wie Henriette. Das war vor 6 Monaten. Wir konten Henriette nirgendwo finden und mussten alle Abflussrohre im Haus und die Kanalisation bis zur Straße aufreißen. Das kostete viel Zeit und ging ins Geld, als wir alles wieder neu aufbauten. Henriette riss dummerweise im Winter aus und erstarrte völlig. Nach zwei Tagen holten wir sie aus dem Fundbüro ab. Als wir der netten jungen Frau im Fundbüro ein Foto von Henriette zeigten, schüttelte die Blondine den Kopf. „Nein, sowas wurde hier nicht abgegeben, gehen Sie zum Tierheim. Entlaufene Tiere werden immer ins Tierheim gebracht.“ Dann schaute die Blonde Henriettes Foto noch einmal an, bekam einen Schreikrampf und keuchte „Der komische Spazierstock!“ Ich holte die Blondine mit Mund-zu-Mund-Beatmung aus der Ohnmacht und meine Frau holte währenddessen Henriette aus der Kammer mit den Fundstücken.
Denken Sie bei der Anschaffung von Haustieren immer vorher daran, dass die Tiere, die wir Tierfreunde am Meisten lieben, auf andere Mitmenschen befremdend wirken können. Das kann zu Prozessen und sehr hohen Kosten führen, mit denen man nie rechnet, wenn man das liebe Haustier in die Familie aufnimmt und zum ersten Mal in seine Arme und ins Herz schließt.
Als wir Ingo und Ingrid vor sieben Jahren ins Haus holten, ahnten wir nichts Böses. Bis zu jenem Tag, als ich Müller von nebenan vor dem Kiosk traf und Müller sagte „Mein Brennholz ist weg, der Jägerzaun ist auch weg! Unser Kirschbaum ist über Nacht verschwunden.“
Müller war schon immer ein wenig verrückt. Müller ist ein Mensch, der Tiere hasst. Menschen, die Tiere hassen, müssen einfach verrückt sein. Der Beweis dafür blieb nicht aus. Nachmittags tranken wir im Wohnzimmer Tee, schauten nach draußen. Müller hatte alle Außenwände seines Holzhauses abgerissen und saß unter freiem Himmel auf seinem Wohnzimersofa, er lutschte ein Eis am Stiel, das runterfiel, weil es plötzlich keinen Holzstiel mehr hatte.
Den Prozeß, den Müller gegen uns anstrebte, gewannen wir mit Leichtigkeit. Unser Anwalt ist auch ein großer Tierfreund und lieh uns seine Agathe, die binnen einer Woche alle Beweise auffraß.
Nun haben wir genug geplaudert, kommen Sie mit, ich zeige Ihnen unsere Lieblinge! Gehen wir zuerst auf die Terrasse zu August, Anton, Antonia und Auguste. Pech für Sie, die Pinguine sitzen in der Gefriertruhe, vielleicht kommen sie wieder raus, wenn die Hitzwelle des Sommers 2010 vorbei ist.
Hier ist der zweite Swimmingpool. Sie können ruhig die Hand ins Wasser halten. Ernie und Bert sind satt vom Kundendienst und beißen nicht. Krokodile nehmen nur 50 Mahlzeiten pro Jahr zu sich. Die gefräßigen Menschen können sich ein Beispiel an diesen bescheidenen Tieren nehmen.
Das da in den Liegestühlen sind Tim und Tom. Können Sie pokern? Sehr gut, dann spielen wir ne Runde zu fünft, Sie, meine Frau und ich mit Tim und Tom. Mogeln Sie nicht! Elefanten haben ein gutes Gedächtnis und vergessen nichts!
Ihre Hände zittern ja. Mogeln Sie doch? Ach so, Sie haben Angst vor Jim, Johnny und Jonas. Nur keine Bange, die drei sind etwas gereizt, weil wir Bockwurst mit Löwensenf essen. Streicheln Sie die Miezekätzchen bitte, das beruhigt sie.
Die Löwen sind sehr friedlich. Unser einziges Problemkind ist Gertrude, die Giraffe. Sie mag keine Gasmasken. Aber ohne Gasmaske kann sie nicht im Keller wohnen und den Kopf durch den Kamin oben aus dem Haus rausstrecken. Eine Schande, dass Häuser und Eigenheime nicht giraffengerecht gebaut werden!
Ooh, nun wird es aber kühl und das an einem Sommerabend. Warten Sie bitte einen Moment. Wo ist Henriette? Gleich wird Ihnen wieder warm, Halten Sie doch still! Eine Boa constrictor als Schal trägt nicht jedermann und Henriette steht Ihrem Hals sehr gut.
Mann, nun fallen Sie mal nicht gleich um und auf den Rasen! Was haben Sie mit dem Gartenstuhl gemacht, wo ist er hin? Ach guck mal, Liebling, Ingo und Ingrid sind wieder da! Liebling, ruf sofort unseren Anwalt an, sag ihm, dass sein Ameisenbär Agathe eine schlechte Verdaung hat und wir ihn auf Regress verklagen, weil die Termiten unsere Gartenmöbel auffressen!
Schade, dass Sie nun gehen wollen. Nehmen Sie lieber die S- Bahn und lassen Sie Ihr Auto stehen, Sie haben zu viel getrunken. Ich bringe Sie zur Haltestelle. Nehmen Sie Otto und Ottilie mit, auch die S-Bahn ist immer sehr voll. Otto und Ottilie sorgen für einen freien Sitzplatz. Nein, keine Angst, Otto und Ottilie übernachten nicht bei Ihnen, die beiden Stinktiere haben eine Monatskarte und fahren mit dem Nachtzug zurück.