Amnesty International – wie gut, dass es diese internationale Organisation gibt, die sich für die Menschenrechte einsetzt. Wenn es um Mord und Terror, Verletzung der Menschenrechte geht, Amnesty ist immer dabei und klärt uns auf.
Mich erinnert Amnesty International leider an das weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland. Sie kennen es bestimmt, das Kaninchen, das auf seine Taschenuhr sieht und hektisch schreit “I am to late, to late”.
Vor einigen Tagen überraschte Amnesty International mit Meldungen, dass die libyschen “Rebellen” des NTC morden, foltern, vergewaltigen, Schwarzafrikaner vertreiben und ihre eigenen Landsleute ausplündern. Solche Meldungen kann man seit Monaten lesen, man muss nur lange genug im Web suchen und nicht bei den Sendern, bei denen man immer in der letzten Reihe sitzt.
Immerhin haben diese Meldungen von Amnesty einige positive Folgen. Amnesty ist eine Institution, die man sogar in den Mainstreammedien ernst nimmt. Es kommt, was kommen muss, auch die BBC, ein Sender der bisher einseitig die NTC Anhänger unterstützte, blendet ein paar Sendesekunden ein, dass in Libyen was faul ist.
Heute meldet Amnesty “Unterdrückung des Arabischen Frühlings mit deutschen Waffen”.
Prompt greifen einige Massenmedien wie SPIEGEL ONLINE, WELT, DER STANDARD das Amnesty Thema auf.
Das ist wirklich empörend! Die westlichen Staaten haben vorher die “Diktatoren”, gegen die man nun Krieg führt oder führen möchte (noch hat die NATO Syrien und den Iran nicht angegriffen) unterstützt?
Und das erfahren wir erst jetzt und heute von Amnesty?
Amnesty ist das weiße Kaninchen, das viel zu spät kommt. Alles, was Amnesty heute über Waffenlieferung der NATO und EU Staaten und anderer Länder an arabische Länder und “Diktatoren” meldet, ist der Schnee von gestern, es ist seit langem bekannt, entsprechende Informationen findet man in Onlinemedien, in den Publikationen verschiedener Institutionen, die sich mit internationaler Politik beschäftigen, seit Monaten und Jahren.
Amnesty hätte solche Hinweise bereits zu Beginn des Libyen Kriegs 2011 berichten können, Amnesty hätte die Verlogenheit der westlichen Massenmedien mit solchen Berichten schon im März oder April ad absurdum führen können. Eine Pressemeldung von Amnesty im Februar oder März über diese Waffenlieferungen hätte im März vielleicht dafür gesorgt, dass die Menschen in Europa und den USA den Angriff auf Libyen nicht einfach hinnehmen, sondern hinterfragen und gegen ihn protestieren.
Warum kommt das weiße Kaninchen Amnesty International immer wieder und so oft zu spät und erst dann, wenn der Krieg fast vorbei ist? Dafür dürfte es gute Gründe geben. Auch Amnesty ist eine politische Organisation, in der es Grabenkämpfe gibt, wen man unterstützt und was man berichtet.
Ich erinnere mich noch bestens an die Worte eines ehemaligen Freundes, der in den 70er Jahren in einer Chile-Sektion von Amnesty arbeitete: “Wir können leider nichts machen, ich würde es gerne tun, einige andere auch, aber wir bekommen keine Unterstützung. In der Chile Sektion sind nur wenige aktiv, die meisten aus unserem Ort engagieren sich für Russland und Polen, die interessieren sich überhaupt nicht für die Folter und den Terror des Pinochet Regimes… Die kämpfen auf Nebenschauplätzen und ignorieren, wo derzeit die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen sind.”
Ich fürchte, daran hat sich bis heute nichts geändert.
Man sollte auch nicht vergessen, dass die führenden Köpfe von Amnesty schon immer ihre eigene politische Geschichte hatten und haben. Zum Beispiel Carola Stern, die Amnesty Deutschland mit begründete und eine ehemalige CIC Mitarbeiterin und für den CIC in der FDJ und der späteren SED tätig war. Karriere in der DDR an der Deutschen Hochschule für Politik und FU Berlin waren offenbar mit der gleichzeitigen Tätigkeit für den CIC zu vereinbaren und führten logischerweise zu Konfrontationen mit der Stasi. 1961, im Jahr des Mauerbaus gehörte Stern zu den Mitbegründern von AI Deutschland. Von der Kontaktperson eines US Spionagedienstes zur Mitarbeit in einer Menschenrechtsorganisation.
Ian Martin war von 1986 bis 1992 Generalsekretär von AI, seit dem 5. Mai 2011 ist er laut Wikipedia “UN-Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Post-Konfliktplanung in Libyen.” Vorher war er für die UN in Krisengebieten tätig, in denen der Westen, die USA und die NATO Staaten ihre Interessen auch mit militärischen Mitteln durchsetzten, u.a. in Osttimor, Äthiopien und 1998/99 in Bosnien Herzegowina während des Balkankrieges. Auch damals glänzte Amnesty schon oft mit Meldungen, die ins Bild der Mainstreammedien passten.
Seit 2010 ist Salil Shetty Generalsekretär von AI. Auf der Webseite von AI wird er genauer vorgestellt:
“Since joining Amnesty International, Salil Shetty has been vocal in supporting the people’s uprising for human rights in the Middle East and North Africa.
Salil Shetty kümmert sich also seit seiner AI Präsidentschaft vor allem um den sogenannten “arabischen Frühling” und seine Organisation bemerkt erst, nachdem die NATO Libyen in Schutt und Asche gelegt hat, dass EU und NATO Staaten die arabischen Machthaber mit Waffen versorgten?
“Supporting the people’s uprising … in the Middle East and North Africa”? Wie dürfen wir das verstehen? Hat er die Rebellen angestachelt, über die AI nun Berichte veröffentlicht, dass diese Rebellen Menschenrechte nicht einhalten?
“Salil Shetty has ambitious plans to strengthen Amnesty International’s work in the Global South.”
Ich glaube, das kann man auch so übersetzen: Amnesty weiss schon, wo es demnächst so richtig kracht. Aber das weiße Kaninchen wird wieder viel zu spät kommen…. Und dann wird es jammern und jammern… Wenn es wieder einmal viel zu spät ist….