Das helle Licht, das Sie da draußen sehen, das ist nicht die Sonne. Das sind die Leuchtstofflampen in meiner Wohnung. Vor 1 1/2 Jahren war ich das Schummerlicht in der Wohnung leid und kaufte für jedes Zimmer eine Neonröhre (Neudeutsch und richtiger: Leuchtstofflampe). Das Montieren dieser Lampen wurde zu einem Abenteuer.
Unsere Altbauwohnung hat noch die schönen hohen Decken, die früher üblich waren. In den meisten Altbauwohnungen hat man diese hohen Decken inzwischen abgehangen. Der übliche Vorwand lautet “Energie sparen, Heizkosten sparen”. Lachhaft! der Wohnwert von Räumen mit hohen Decken ist nicht zu unterschätzen! Sie haben viele Bücher? Na, dann haben Sie in Ihrer Wohnung mit den niedrigen Decken auch bald keinen Platz mehr für Buchregale! In einer Wohnung mit 3,40 Meter Decken montiert man die Buchregale bis unter die Decke. Die Bücher, die es nicht wert sind, zweimal gelesen zu werden, verbannt man in die obersten Regale neben andere unwichtige Dinge wie zum Beispiel die Aktenordner mit den Briefen vom Finanzamt.
Wohnungsgröße und Miete werden nach Quadratmetern berechnet. Was für ein Unsinn! Die Berechnung nach Kubikmetern Rauminhalt wäre viel sinnvoller, denn in eine Wohnung mit hohen Decken geht definitiv mehr rein. Solange noch Platz genug für eine Leiter ist.
Hohe Decken haben einen Nachteil. Versuchen Sie einmal einen Raum mit so hohen Decken mit den sogenannten Energiesparlampen auszuleuchten! Von diesen Funzeln, die ungefähr so hell wie Uropas Petroleumlampe sind, brauchen Sie in einem Raum von 102 Kubikmeter Rauminhalt (30 Quadratmeter und 3,40 Meter hohe Decke) mindestens drei bis vier und selbst wenn alle gleichzeitig brennen, sehen Sie noch immer nichts. Was nicht störend ist, wenn in der Zeitung nur langweilige Artikel stehen. Gelegentlich will der Mensch aber auch wichtige und interessante Dinge lesen, z.B. das Kochbuch und den Kontoauszug.
Deshalb kam ich vor 1 1/2 Jahren auf die Idee, alle Funzeln durch Leuchtstofflampen zu ersetzen und nur an einigen lauschigen Plätzen Schummerlichtfunzeln zu belassen.
Am ersten Tag kauften wir in einem Baumarkt zwei Leuchtstofflampen. Eine in Wannenform mit Raster für das Arbeitszimmer und eine für die Küche.
Das Abenteuer begann. Ich packte zuerst die Leuchtwanne aus, betrachtete die Einzelteile, die ich zusammenschrauben musste. Dann machte ich einen entscheidenden Fehler: ich las die Gebrauchsanweisung und Montageanleitung!
Die Gebrauchsanweisung war eine typische Ausgeburt des Bürokratismus. Sie kennen das ja. Politiker und Behörden halten den Endverbraucher heute für dümmer als er ist. Deshalb fördern Politiker und Bürokraten heute den überflüssigen Papierverbrauch.
Auf rund 6 Seiten der Gebrauchsanleitung wurde mir erklärt, dass Strom gefährlich und elektrische Schläge verursachen kann. Mag sein, dass die Eurokraten in Brüssel keinen Physikunterricht hatten, aber uns wurde schon in der Schule beigebracht, was elektrischer Strom ist. Die zweite Seite füllten Hinweise zur sachgerechten Entsorgung. Ich war etwas empört. Wer einen neuen Artikel gekauft hat, will den benutzen und nicht entsorgen. Und wenn der neue Artikel kaputt ist, hat man die Gebrauchsanweisung sowieso nicht mehr. Die letzte Seite, wäre die richtige für diese Hinweise gewesen. Die nächsten Seiten klärten mich über alle möglichen Gefahren beim Betrieb der Lampe und der Montage auf. Von selbst wäre ich ja nie auf die Idee gekommen, dass ich für die Montage einer 1,20 Meter langen Leuchtwanne eine standsichere Leiter aufstellen musste. Eine? Da hatte die Gebrauchsanweisung wohl eine sachliche Lücke! versuchen Sie einmal auf einer Leiter stehend eine 1,20 Meter lange Leuchtwanne mit der einen Hand festzuhalten und mit der anderen eine Schraube in ein frickeliges Loch der Leuchtwanne zu schieben und mit einem Schraubendreher in den Deckendübel zu schrauben. Sie schaffen es nur, wenn Sie drei Arme haben oder ein Bein zur Hilfe nehmen. Artistisch ungeübte Heimwerker merken sofort “Wir brauchen zwei standfeste Leitern, diese Lampe kann man nur zu zweit unter die Decke montieren!”
Pech gehabt, die zweite verfügbare Leiter war eine dreistufige Trittleiter und entweder ist meine Frau zu klein oder die Decke zu hoch – mit der Trittleiter ging es nicht. Also bauten wir eine standsichere Behelfsleiter (in Brüssel wird derzeit geprüft, ob sie den Anforderungen diverser EU-Richtlinien genügt und demnächst überall in den Handel gebracht werden darf). Wir räumten die Bücherregale aus, legten ganz unten die großen Atlanten und Folianten und Quadranten aus und stapelten die Bücher so, dass sich die Bücherleiter nach oben verjüngte, aber statisch stabil blieb.
Dann kam die böse Überraschung.
Am Eingang des Baumarkts stand “Alles für den Heimwerker!” Auf Seite 7 der Gebrauchsanweisung des Herstellers der Lampe stand “Lassen Sie die Leuchtwanne nur durch einen ausgebildeten Fachmann installieren! Bei unsachgemäßer Montage durch nicht ausgebildetes Personal erlischt die Garantie.”
Damit standen wir vor einem schweren Problem. Ich hatte die alte Deckenlampe schon abgeschraubt, es war 15 Uhr nachmittags und im Winter nicht mehr lange hell genug. Die Volkshochschule hatte am Samstag geschlossen. Ich konnte nicht anrufen, ob die einen Schnellkurs “So werden Sie Elektromeister an nur einem Abend” anboten. Weil ich früher – als den Lampen und Leuchten noch keine 6 Seiten Sicherheitshinweise beilagen – schon erfolgreich Lampen montiert hatte, wollte ich es wagen und das Werk vollenden. Schließlich konnte ich immer noch den Pluspol vom Nordpol unterscheiden.
Zwei Minuten später stand ich jedoch vor einem sehr ernsten Problem. Nachdem der Hersteller pflichtgemäß und EU-Richtlinien konform 6 Seiten mit so vielen wie nur möglichen Warnhinweisen beschrieben hatte, hatte sich vermutlich ein Betriebswirt eingeschaltet und gesagt “Papier sparen!” Das wirklich wichtige, wie man die Einzelteile der Lichtwanne zu einem Leuchtkörper montiert, mußte kleingedruckt auf zwei Seiten mit viel zu kleinen Skizzen finden.
Da man auf den Skizzen nicht erkennen konnte, wie man die Lichtwanne sicher und fachgerecht montiert, schaute ich mir die Einzelteile noch einmal an und fand beim zweiten Ansehen heraus, dass das Loch ganz links unter den Startern, ja, das Loch, an das man mit einem Schraubendreher NICHT rankam, nicht das Loch für das Kabel war, sondern das Loch für die Deckenverschraubung.
Arbeitszeit für die Montage der Lichtwanne.
1. 6 Seiten Sicherheitshinweis und Entsorgungshinweise lesen: 20 Minuten (davon 10 Minuten für die Suche der Lupe gebraucht)
2. Leitern aufbauen: 5 Minuten
3. Montageanleitung lesen: 5 Sekunden (unlesbar klein)
4. Teile zur korrekten Montage betrachten: 3 Minuten
5. Montage der Lichtwanne: 5 Minuten
6. Montage des Rasters für den Splitterschutz: unvollendet, das Teil erwies sich als verzogen und nicht einbaubar
Die Montage der Leuchtstofflampen in Flur und Küche
Diese Arbeiten gingen viel schneller voran. In der Küche montierten wir eine 60 cm lange Leuchtstofflampe. Merke: es gibt eine Korrellation zwischen der Länge von Leuchtstofflampen und der Länge der Gebrauchsanweisung. Die Gebrauchs- und Montageanleitung der Leuchtstofflampe, die wir in der Küche montierten, bestand aus zwei Seiten. Die Lampe hätte auch ein 6-jähriger montieren können, der zu dumm ist, zwei Legosteine zusammen zu stecken. Begeistert von dieser simplen und genialen Elektrotechnik kaufte ich in den folgenden Wochen noch drei Lampen vom selben Typ für andere Räume.
Die Leuchtstofflampe für den Wohnungsflur besorgten wir am nächsten Samstag. Die Leute im Baumarkt kannten uns inzwischen. “Guck mal, das sind die Verrückten, die jeden Samstag Lampen kaufen…” Das Wunder der Lichttechnik sollte am Ende des Wohnungsflurs einen kleinen Schreibtisch beleuchten. Deshalb wählten wir einen anderen Typ als für die Küche.
Das war ein Fehler. Lampen sollte man immer sofort im Baumarkt auspacken. Am Besten im Beisein des Abteilungsleiters. Und den dann fragen “Würden Sie es schaffen, das Ding zusammen zu schrauben?” “Ist doch kinderleicht! Nur die Abdeckung anzubringen wird etwas länger dauern. Aber Sie lieben doch bestimmt Geduldspiele?” Nein, ich liebe intelligente Lampenhersteller, die Halteklammern so konstruieren, dass man sie schnell, leicht und einfach befestigen kann und Teile die zusammenpassen.”
Die Leuchtstofflampe erwies sich als ein Modell für den bayrischen Markt. Die Halteklammern der Abdeckung konnte nur ein geübter Fingerhakler mit Muckis in den Fingern perfekt und schnell in die viel zu engen Aussparrungen an Gehäuse und Abdeckung drücken. Jedem noch so kräftigen Heimwerker nördlich des Weißwurstäquators musste es unmöglich sein, diese Klammern beim ersten Versuch einzudrücken. Sah es so aus, als ob die Klammern endlich fest saßen, sprangen sie raus. In der Gebrauchsanweisung fehlte der Hinweis “Vorsich! Fehlkosntruktion! Sicherheitsbrille tragen! Unsere Klammern können ins Auge gehen!” Ich nahm an diesem Tag 1 Pfund ab, denn die Lampe hatte 10 Klammern und bis eine der Klammern wirklich fest saß, mußte ich pro Klammer zehnmal die Leiter rauf und runter, um die abgesprungenen Klammern vom Boden einzusammeln.
Als ich endlich fertig war, sank ich zu Boden und stieß die Bitte aus “Oh Herr, sorge dafür, dass das Leuchtmittel in diesem Teufelsding niemals durchbrennt! Sorge dafür, dass die Konstrukteure dieser Leuchtstofflampe in die Hölle kommen. Wenn du diese Strafe für zu hart hältst, nimm sie meinetwegen im Himmel auf. Aber nur unter Bedingungen, dass die Konstrukteure acht Stunden am Tag diese Lampen selbst montieren müssen!” Meine Frau kam, fragte “Was machst du da auf den Knien? Steh auf, wir müssen die Fenster dicht machen. Hörst du das Gewittergrollen nicht?”
In den folgenden Wochen montierte ich noch drei Leuchtstofflampen vom Typ, der in der Küche verwendet wurde. Nun stahlte unsere Wohnung heller als die Sonne.
Einige Monate später hielt ich es für angebracht, die Beleuchtung in meinem Büro zu verbessern. Am Schreibtisch würde ein Deckenstrahler die Beleuchtung erheblich verbessern. Im Baumarkt fand ich genau den Richtigen: stabil und solide, ein Strahler, der die Decke anleuchtete und an einem Arm eine verstellbare zweite Leuchte, die man separat zuschalten konnte. Ideal!
Wie montiert man einen Deckenstrahler?
Überhaupt nicht, man kriegt ihn nicht aus der Verpackung. Das, was im Baumarkt so schön ausgestellt war, befand sich in einem Karton, an dem sich ein erfahrener Schränker, der schon 100 Tresore knackte, die Zähne ausbeißen kann. Der Verpackungskarton erwies sich als eine Art russische Puppe – Karton in Karton und nicht alle Kartons waren voll Einzelteilen, einige Kartons dienten nur der Stabilisierung der Umverpackung und waren leer. Das hier muss auch so einer sein, nur Füllstoff, weg damit ins Altpapier. (20 Minuten später holte ich ihn wieder raus, ein Kleinteil fehlte, es war wirklich in dem 15 mal 5 mal 5 Zentimeter großen Karton innen angeklebt und nicht im Kleinteilebeutel.) Das Innenleben der Hauptverpackung war komplizierter als die Gänge in den Pyramiden. Wenn Tut Anch Amun statt einer Pyramide diesen Karton gebaut hätten, wäre die Begräbnispyramide erst nach 1000 Jahren fertig geworden, aber auch sicher vor Grabschändern gewesen.
Übrigens habe ich vor einigen Monaten noch eine Halogen-Tischlampe für einen meiner Schreibstische gekauft. Für die Leseecke wollte ich auch eine. Aber als Lampenmontagengeschädigter sagte ich zu meiner Frau “Erst mal sehen, ob das Ding okay ist oder wieder Überraschungen mit sich bringt!”
Zu Hause angekommen, öffnete ich den Karton. Oobaduubiduuu – Überraschung! Im Karton war keine Gebrauchs- und Montageanleitung! Ich war maßlos enttäuscht. Schließlich gewöhnt man sich an alles. Auch an das Lesen von aus dem Deutschen ins Englische, vom Englischen ins Chinesische übersetzte und dann von anderen Chinesen ins Englische und vom Englischen ins Deutsche rückübersetzte Gebrauchsanweisungen.
Doch dann jubelte ich – ein genialer Hersteller -, fast unglaublich, dass sowas von den Eurokraten noch nicht ausgerottet worden ist!
Alle nötigen Sicherheitshinweise standen auf der Verpackung. Die Montage der vier Einzelteile war selbsterklärend. Man glaubt es kaum in einem Zeitalter, in dem sogar schon auf der Verpackung von Kugelschreibern Sicherheitshinweise zu finden sind wie “Nur für den Betrieb mit geeigneten Kugelschreibern! Nicht als Zahnstocher und zum Nasebohren geeignet!”