Wirtschaftförderung
Jul 24th, 2010 | By admin | Category: KirchturmpolitikGestatten, mein Name ist Meier, grosses M und sehr kleine eier. Ich arbeite in der Stadtverwaltung einer mittelgroßen Stadt in einer südamerikanischen Bananenrepublik. Sie haben bitte Verständnis dafür, dass ich Ihnen den Namen meiner Bananenrepublik nicht verraten kann, denn das würde gegen ein Dienstgeheimnis verstoßen.
Ich arbeite in meiner Stadt in der Bananenrepublik in der Abteilung für Wirtschaftförderung. Wie ich in die Bananrepublik kam, wollen Sie wissen? Genau weiss ich das leider nicht, aber meine Eltern sagten, dass Vater 1945 auf der Flucht war und Hollywood sich nicht für sein Drehbuch von eimem Arzt auf der Flucht interessierte. Tante Eugenik sagte immer zu meinem Vater “Du Töffel hast alles selbst vermurkst! Wie kann man nur ein Drehbuch ‘Ich war der Arzt in Auschwitz!’ nennen! Nenn es AUF DER FLUCHT und sie machen dir eine Seria Television mit mindestens 300 Fortsetzungen!”
Durch die Gnade meiner späten Geburt kam ich erst viele Jahre nach dem 2. Weltkrieg auf die Welt und wurde ein neuer Erdenbürger der lateinamerikanischen Banananrepublik.
Mein Padre brachte mich dort in Amt und Ehren und in der Kommunalverwaltung unter, Abteilung Wirtschaftsförderung. Und ich tue mein Bestes. Ganz wie Papa.
Sie müssen sich das ungefähr so vorstellen: es ist ähnlich wie bei Ihnen zu Hause in Europa, Asien, Amerika, im Ruhrgebiet oder einem anderen Ballungszentrum wie Detroit:
Ich sitze in meinem schönen Amtszimmer in einem Sessel und entscheide über den Neubau von Einkaufszentren.
Sie können sich das alles so ähnlich wie in Ihrer Heimat, nur etwas anders, vorstellen. Denn vor meinem Amtsschimmelfenster stehen Palmen und vor Ihrem Platanen. Die Nachbarstädte in meiner Bananenrepiublik liegen sehr dicht beisammen, eine geht in die andere über, aber jede Stadt will die Beste sein. Und den meisten Reibach machen. Ich tue, wie jeder Kirchturmpolitiker, alles und das Beste für meiner Heimatstadt. Die heisst Perro Torcido, sie können das mit Krummer Hund übersetzen. In der Nachbarstadt Gris Asino – grauer Esel – wollen sie nun ein neues Einkaufzentrum bauen. Wir müssen zurück schlagen, denn alle Esel sollen beim krummen Hund kaufen.
Nun plane ich zur Wirtschaftförderung meiner Stadt ein neues Einkaufszentrum, in dem es viel mehr Geschäfte als in unserer Altstadt gibt, die wir demnächst mit Planierraupen einebnen lassen.
Es gibt nur ein kleines Problem. In den Nachbargemeinden Sant Joses Tasche ist leer (auf Deutsch: die meisten haben keinen Cent im Geldbeutel) und Santiago de la Insolvenzia planen sie auch neue Einkaufszentren und jede Stadt will das Wettrennen um die nicht vorhandene Kaufkraft machen, aber ein Maximum an Kunden in das neue, geplante Einkaufszentrum locken. Nun, die werden wir auch noch ein Schnippchen schlagen mit “kostenlose Parkplätze für Lamas”.
Mit der Aktion “Freitags Lendenschurz gratis” locken wir sicher den letzten Ureinwohner aus dem Amazonas. “Zahlungsfähige Kundschaft, die den Geschäften Geld und der Stadt Steuern einbringen, sind diese Sozialhilfempfänger nicht!” Mein mein Chef. Na, der kennt sich noch nicht richtig aus. Auf Ebene B, Block C, Nummero 666 zieht doch die Compania Klein Credito para todos sin zapato ein. In Ihrer Sprache bedeutet das soviel wie “Kredit für jeden, der schon seine Schuhe ins Pfandhaus bringen musste”. Denen werden wir schon la piel – das Fell – über die orejas ziehen.